Factsheet

Der Anbau von gentechnisch verändertem Soja steht in Verbindung mit illegaler Waldrodung, Landraub, und dem hohen Einsatz von Pestiziden. Zwischen indigenen Gruppen und Sojafarmer:innen stiegen die Konflikte besonders in Brasilien in den letzten Jahren stark an.

Handel und Export

Die weltweit größten Exporteure sind Brasilien, die USA und Argentinien. In Brasilien und Argentinien vergrößerte sich die Sojaanbaufläche sehr stark, nachdem Ende der 1990er und Anfang der 2000ern gentechnisch verändertes Soja erlaubt wurde. Die Agrarhandelsunternehmen Bunge, Cargill, ADM, COFCO, Louis Dreyfus sind weltweit die größten Soja-Exporteure.

Ist die Lieferkette von Soja nachvollziehbar?

Es gibt nicht die eine Statistik für Soja. Unterschiedliche Quellen zu Sojahandel, -Anbau und -Verbrauch arbeiten mit unterschiedlichen Berechnungen und Annahmen. Deshalb ist es die Lieferkette von Soja vom Anbau bis zur Verfütterung nur schwer nachzuvollziehen.

Handelsunternehmen geben nur bedingt Informationen heraus, was einerseits darin liegt, dass dem Unternehmen selbst auch keine Informationen zu genauen Handelsströmen und allen Zulieferern vorliegen und andererseits liegt es daran, dass diese Informationen betriebsintern sind.

Statistisch sind Exporte und Importe zwar nachvollziehbar, aber nicht unbedingt, welche Zwischenstationen die Produkte durchlaufen und wo etwas verarbeitet wird oder endkonsumiert wird.

Sojaimporte in die EU

Die EU ist nach China der größte Importeur von Soja. Die Tierhaltung in Europa ist auf den Import von Soja angewiesen, um den Eiweißbedarf zu decken. In der EU sind gentechnisch veränderte Lebensmittel zwar verboten, dürfen aber als Futtermittel importiert werden. Zudem wird der Sojahandel noch dadurch begünstigt, dass auf importierten Futtersoja keine Zölle erhoben werden.

Bis zu 18-20 % des in die EU exportierten Sojas aus Brasilien stammt von illegal gerodeten Flächen.[1]

Wie viel Soja wird in der Tierhaltung in Deutschland verfüttert?

Auch in Deutschland reicht die lokale Eiweißversorgung von Nutztieren nicht aus. Besonders seit 2001, als Tiermehl in Futtermitteln verboten wurde, wurde Soja als Eiweißquelle genutzt. Der Import erfolgt in Deutschland größtenteils über die Tiefwasserhäfen an Nord- und Ostsee und über andere EU-Staaten wie die Niederlande. Über die Statistik ist nur der Handel zwischen einzelnen Bundesländern und anderen Staaten festzustellen, nicht aber der innerdeutsche Handel. Ein Teil des Sojas in Deutschland kommt auch aus den Niederlanden, wobei hier auch die Möglichkeit besteht, dass das Soja ursprünglich aus Südamerika stammt.

Vorwiegend wird Sojaschrot, ein Nebenprodukt der Sojaverarbeitung, als Komponente im Mischfutter eingesetzt. Sojaschrot fällt bei der Herstellung von Sojaöl an, welches unter anderem auch für den menschlichen Verzehr verwertet wird. Jedoch ist hier zu beachten, dass die Menge und der daraus resultierende Gewinn von Sojaschrot aus Sojabohnen höher ist als für das Sojaöl. Demnach kann Sojaschrot nicht nur als Abfallsprodukt gewertet werden. Insgesamt werden weltweit auch nur 6 % des Sojas für die menschliche Nahrung verwendet. Die hohe Nachfrage nach Soja kommt aus der Tierhaltung.

Hauptlieferant von Soja nach Deutschland ist die USA, aber auch aus Brasilien wird Soja importiert. Der Import von Soja ist in den letzten Jahren leicht gesunken. Die Nachfrage nach Soja in China ist im Vergleich zu Deutschland in den letzten Jahren stark angestiegen.

Am meisten Soja wurde im Jahr 2011 nach Deutschland importiert. Seitdem ist die Menge gesunken. Die Agrarhandelsunternehmen, die am meisten Soja nach Deutschland exportieren sind Bunge (Bunge Alimentos S /A), Coamo, Amaggi exportacao und ADM Do Brasil. Auch weitere Agrarhandelsunternehmen wie Glencore und Cargill liefern einen Teil.[2]

1,82 Millionen Tonnen Sojaschrot wurde 2018 in der Schweinehaltung in Deutschland eingesetzt. Schweine verbrauchen im Vergleich zu anderen Nutztieren in Deutschland am meisten Soja. In der Schweinehaltung ist die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, dass das Soja gentechnisch verändert ist. Aber auch Geflügel bekommt viel Sojaschrot zu gefüttert. Allerdings ist hier der Anteil an nicht gentechnisch verändertem Soja viel höher als bei Schweinen. Milchvieh und Mastrinder bekommen Soja. Auch hier ist der Anteil viel geringer als bei Schweinen und es gibt zudem regionale Unterschiede in der Nutzung von Soja.[3]

In den letzten Jahren wurde mehr und mehr Sojaschrot durch Rapserzeugnisse ersetzt. Besonders in der Region Ost, wozu auch Mecklenburg-Vorpommern gehört, ist der Anteil an gentechnikfreier Milch gestiegen.

Ist Soja ersetzbar?

Was sind die Alternativen zu gentechnisch verändertem Soja als Futtermittel? Es gibt Zertifikate, die gentechnisch freies Futtermittel garantieren, wie Donau Soja und das Neuland-Siegel, welches nur regionale Futtermittel erlaubt.

Ob europäisches Soja verwendet wurde lässt sich auch daran erkennen, ob für das Produkt dementsprechende Werbung gemacht wurde. Denn das europäische gentechnikfreie Soja ist teurer als „herkömmliches“ Soja und wird anders vermarktet.

In Bezug auf die Milchviehhaltung lässt sich der Eiweißbedarf theoretisch auch mit Rapserzeugnissen decken. Es gibt bereits eine steigende Nachfrage nach Ölsaaten aus der Mischfutterbranche in Deutschland. Allen voran nach Raps, da Raps günstiger ist als Soja. Ein weiterer Grund für die steigende Nachfrage nach Raps ist der Trend hin zu mehr GVO-freien Futtermitteln.[4]

Wie geht es weiter?

Es wurden bereits Schritte unternommen, den Import von Sojaerzeugnissen zu reduzieren. Die Eiweißpflanzenstrategie der Bundesregierung zielt auf eine Verringerung der Abhängigkeit von Importen ab und fördert den Sojaanbau in Deutschland. Insgesamt sank der Import von Soja nach Deutschland in den letzten Jahren.

Jedoch muss sich auch bei den Verbraucher:innen etwas ändern. Wenn weiterhin eine so hohe Nachfrage nach günstigen tierischen Produkten besteht, wird der Bedarf auch gedeckt: Mit Produkten aus anderen Bundesländern, aber auch aus Drittstaaten, in denen nicht Mindestanforderungen der EU gelten. Insgesamt muss der Konsum von tierischen Lebensmitteln weltweit deutlich sinken.

Hinzu kommt, dass Deutschland einer der größten Exporteure von Agrargütern ist und es demnach nicht nur auf die innenländische Nachfrage ankommt. Andererseits ist die Außenhandelsbilanz mit Agrargütern insgesamt negativ.

Gerade verarbeitete Fleisch- und Milchprodukte werden aus Deutschland vermehrt exportiert. Verarbeitete Lebensmittel erhöhen zwar die Wertschöpfung im eigenen Land, haben jedoch auch Einfluss auf die Wirtschaft anderer Staaten, die diese Produkte importieren.

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1

Regionale Wertschöpfungsketten

Wir brauchen stärkere Stadt-Land-Verbindungen und ausgebaute regionale Vermarktungskonzepte sowie mehr regionale Verarbeitungs- und Veredlungsmöglichkeiten.

2

Faire Handelsbeziehungen

Wir müssen uns auf europäischer Ebene für gerechte Handelsbeziehungen einsetzen. Auch in unserer Region können wir z. B. durch landwirtschaftliche Partnerschaftsprojekte in den Austausch mit Menschen im Globalen Süden treten und regionale Lösungen vor Ort finden.

3

Transparente Lieferketten

Die gesamte Wertschöpfungskette nachzuvollziehen ist schwierig. Oft kennen die Produzent:innen und Händler:innen nur das nächste Glied in der Kette und haben keinen Einfluss darauf, wo das Produkt am Ende landet. Statistisch ist nicht nachzuvollziehen, wo ein Produkt endkonsumiert wird und welche Produktionsschritte es wo vorher durchlaufen ist.