Fakten

Richten Weizenimporte in Liberia Schaden an?

Weizenimporte aus der EU und der Globale Süden

Fehlernährung, also eine ungenügende oder falsche Ernährung, sieht Tolbert Jallah als eines der Hauptprobleme seines Landes. Zudem hat die Klimakrise große negative Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion in dem westafrikanischen Staat. Während seiner Reisen durch Liberia und umliegende Länder konnte sich Dr. Jallah einen guten Überblick über die landwirtschaftlichen Strukturen und Herausforderungen verschaffen. Er sprach mit vielen Landwirt:innen und vermittelte zwischen Politik und Landwirtschaft.

Liberia ist abhängig von Lebensmittelimporten, was gerade bei der Entwicklung dieses Jahres problematisch ist. Die Nahrungsmittelimporte stünden in großer Konkurrenz zu lokalen Produkten, sagt Tolbert Jallah. Doch das Hauptproblem liegt an fehlenden Transportmöglichkeiten für Landwirt:innen in Liberia. Die Landwirt:innen bauen zwar hochwertige Produkte an, können diese aber nicht zu den Märkten transportieren. Die liberische Landwirtschaft ist geprägt von Subsistenzwirtschaft. Größere landwirtschaftliche Betriebe werden staatlich nicht in dem Maße gefördert, wie es sinnvoll wäre, so Jallah. Besonders der Zusammenschluss zu Kooperativen müsse gefördert werden. Um diese zu unterstützen, sieht er klar die Politik in der Verantwortung.

Die große Abhängigkeit von Lebensmittelimporten hängt unmittelbar mit der Entwicklung in den letzten 20 Jahren zusammen. Durch den Bürgerkrieg (1989-2003) wurden viele Famer:innen von ihrem Land vertrieben und die lokale Lebensmittelproduktion brach ein. In dieser Zeit wurden massiv Lebensmittel importiert. Diese Abhängigkeit besteht bis heute.

„Im Supermarkt finden sich zu einem Großteil Lebensmittel europäischen Ursprungs. Lokale Produkte sind kaum zu finden.“ Sagt Tolbert Jallah. Auch der gute Ruf von europäischen Produkten sei ein Verkaufsargument für viele Liberianer:innen. Sie vertrauen auf eine gute Qualität aus der EU.

In Liberia gibt es aber durchaus gute Böden. Besonders agrarökologische Maßnahmen sind geeignet, um die Landwirtschaft wieder aufzubauen. Neben solchen Maßnahmen sollte es mehr Austauschmöglichkeiten zwischen der Politik und der Landwirtschaft geben, so Jallah und der Fokus sollte auf ökologischer Landwirtschaft liegen. Stark kritisiert er den Ansatz, Cash Crops und gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen. Die Zukunft sieht er in der Agrarökologie.

„Der Staat muss eine agrarökologische Landwirtschaft und den Zusammenschluss von Landwirt:innen zu Kooperativen fördern.“

Aus Mecklenburg-Vorpommern wurde u. a. Weizen und Fleischprodukte nach Liberia importiert, allerdings in geringen Mengen von nur einigen Tausend Tonnen im Fall von Weizen. [1]

Das Gespräch fand am 31.08.2022 statt.

Quellen

[1] https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?operation=ergebnistabelleUmfang&levelindex=3&levelid=1669114631281&downloadname=51000-0036#abreadcrumb

1

Regionale Wertschöpfungsketten

Wir brauchen stärkere Stadt-Land-Verbindungen und ausgebaute regionale Vermarktungskonzepte sowie mehr regionale Verarbeitungs- und Veredlungsmöglichkeiten.

2

Faire Handelsbeziehungen

Wir müssen uns auf europäischer Ebene für gerechte Handelsbeziehungen einsetzen. Auch in unserer Region können wir z. B. durch landwirtschaftliche Partnerschaftsprojekte in den Austausch mit Menschen im Globalen Süden treten und regionale Lösungen vor Ort finden.

3

Transparente Lieferketten

Die gesamte Wertschöpfungskette nachzuvollziehen ist schwierig. Oft kennen die Produzent:innen und Händler:innen nur das nächste Glied in der Kette und haben keinen Einfluss darauf, wo das Produkt am Ende landet. Statistisch ist nicht nachzuvollziehen, wo ein Produkt endkonsumiert wird und welche Produktionsschritte es wo vorher durchlaufen ist.